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15.12.2011

Adventspredigt von Pfr. Dr. Mersch

1. Advent 2011, B „Reich beschenkt und gefestigt durch Christus“ (1Kor 1,3-9)


Schwestern und Brüder im Herrn!

Mit dem 1. Advent, mit der 1. Kerze, die wir am Adventskranz anzünden, beginnt das neue Kirchenjahr – und bald danach ein neues Kalenderjahr. Es beginnt ein neuer Jahreszyklus kirchlicher Feste, eine Zeit, die ich als Christ in der Kirche mit dem Volk Gottes unterwegs leben werde.

Neben der Freude auf Weihnachten, Ostern und Pfingsten – Feste, die uns daran erinnern, dass sich Gott zu unseren Gunsten ins Leben eingemischt hat und es immer noch tut – steht die Befürchtung:
Wie werde ich den Advent – wie werde ich Weihnachten erleben? Was wird dieses neue Kirchenjahr auch an Belastungen für Glauben und Leben, an Ärger und Auseinandersetzung in Kirche und Gemeinde, in Beruf und persönlichen Beziehungen bringen?

Am Anfang des Kirchenjahres – wie des Kalenderjahres - stehen gemischte Gefühle: Wie werde ich mit meinen Glauben durch dieses Jahr kommen? Wie werden wir es in Kirche und Gemeinde bestehen?
Als Einstimmung auf den neuen Jahreskreis hat die Kirche u.a. den Anfang des ersten Briefes des Apostels Paulus an seine Problemgemeinde in Korinth gesetzt; dieser Briefanfang will
Perspektiven eröffnen, mit denen wir in die neue Zeit hineingehen können.

Paulus hatte Ärger mit der Gemeinde in Korinth – das verbindet seine Zeit mit der unseren, denn immer wieder gibt es Verdruss in der Kirche Gottes. Zur Zeit des Paulus sind es rivalisierende Christengruppen, die einander den rechten Glauben absprechen; die Botschaft vom Kreuz wird so lange in Watte gepackt, bis sich niemand mehr daran stößt; die Teilnahme an der Eucharistiefeier und die Nächstenliebe fallen auseinander. Vielleicht hört manch einer schon hier Anklänge an unsere Zeit.
Heute stoßen sich die einen an weltfremden römischen Vorschriften oder an sich durchlavierenden Beschlüssen der Bischöfe, die als Bevormundung und kontraproduktiv empfunden werden. Andere dagegen begrüßen sie als lange erwartete Klarstellung katholischer Glaubenslehre. In der Weltkirche wie in der einzelnen Gemeinde finden sich enttäuschte Erwartungen, Resignation nach erwartungsvollen Aufbrüchen, Verhärtungen auf beiden Seiten, Menschen, die Fehler machen und Schwächen zeigen, die einander nicht ‚riechen‘ können.
Obwohl Paulus die Streitigkeiten in der Gemeinde in Korinth genau kennt, nichts davon beschönigt und zur Umkehr ruft, stellt er an den Anfang des Briefes – wie ein großes Vorzeichen - den Dank an Gott, dass es diese Gemeinde und Kirche gibt. Paulus dankt Gott, dass ER sich mit diesen Menschen eingelassen, ihnen seine Botschaft anvertraut und sie mit ganz verschiedenen Talenten begabt hat.
Es steckt viel Sinn dahinter, dass die Kirche in ihrer liturgischen Leseordnung ausgerechnet diesen Text des Apostels Paulus an den Anfang des neuen Kirchenjahres stellt – so als wollte er damit sagen: Die Gnade, das JA Gottes zu euch ist die Tür, durch die ihr alle in diese Zeit, in diesen Advent hineingehen könnt. Alles, was auf euch nun zukommt, steht unter diesem Vorzeichen. Ihr habt allen Grund, mit Hoffnung und Zuversicht in diese Zeit einzutreten, denn mit Gottes Beistand werden sich alle Dinge, auch die schweren und belastenden zum Guten wenden oder doch erträglich werden.
Im Advent werden Türen geöffnet – im Kalender sinnbildhaft stehend für eine tiefere Wahrheit. „Advent entscheidet sich an der Tür“. Was das heißen kann, zeigt das Evangelium.

Hier fordert uns Jesus auf, wachsam zu sein. Er vergleicht unser Leben mit dem Warten auf den Hausherrn, der auf die Reise gegangen ist. Dieser hat uns Verantwortung für das Haus, für unser Leben übertragen. Irgendwann wird er zurückkommen. In der Zwischenzeit sollen wir unsere Aufgabe erfüllen. Insbesondere nennt er das Amt des Türhüters, ihm befahl er, wachsam zu sein (13,34) Dieses Bild haben die frühen Mönche aufgegriffen, um unsere Verantwortung gegenüber jenen Gedanken und Gefühlen zu beschreiben, die in „unser Haus“ eindringen wollen.
So mahnt Evagrius, ein Mönch: Sei ein Türhüter deines Herzens und lass keinen Gedanken ohne Befragung hinein. Befrage einen jeden Gedanken und sprich zu ihm: „Bist du einer, der unseren oder einer unseres Gegners? Und wenn der Gedanke zum Haus gehört, wird er sich mit Freude erfüllen“ (Anselm Grün in Christ in der Gegenwart 48(1993)

Uns ist die Tür zum Advent aufgetan. Advent heißt aber nicht, „dass alles nur licht und hell und schön ist. Advent – das ist das Dunkel, das Schweigen, die Nacht, in der wir vor die letztendlichen Fragen unseres Lebens gestellt sind. Advent - das ist aber auch der Stern, der aufgeht, das Wort, das das Schweigen bricht, die Sehnsucht, die dem Leben entgegenwächst.
Advent – das ist zugleich die Chance, sich im Dunkel, im Schweigen, in der Einsamkeit berühren zu lassen von dem ganz anderen. Advent – das ist die Mitte der Nacht – und die Mitte der Nacht ist der Beginn eines neuen Tages – an dem nichts mehr so ein wird, wie es einmal war.
Dazu sind wir eingeladen – und das ist die Chance: den Advent leben, den Stern aufgehen lassen, das Wort hören, der Sehnsucht Raum geben – und der leisen Stimme, die da sagt: „Fürchte dich nicht!“ (Andrea Schwarz, Jahrbuch 2003)
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