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15.12.2011

Die fremde Feder: Konzil von Weiden

Findet im kommenden Jahr das 1. Weidener Kirchenkonzil für alle Christen statt. Nein, noch ist es nicht soweit. Das Laienkonzil in Weiden ist weder beschlossen noch organisiert, aber aus meiner Sicht eine Möglichkeit, um der tiefen Entfremdung vieler Katholiken zur Amtskirche zu begegnen. Was sind die Ursachen der Kirchenkrise. Handelt es sich in Wirklichkeit um eine Glaubenskrise. Was können Weidener Christen dagegen tun? Mehr…

Die katholische Kirche ist für viele regelmäßige Besucher der Sonntagsmesse wichtige Orientierung und oft sogar Mittelpunkt ihres weltlichen und spirituellen Lebens. Die Mehrzahl von ihnen ist mit der offiziellen kirchlichen Lehre im Einklang und wünscht - wenn überhaupt - nur geringfügige Veränderungen. Aber ihre Zahl nimmt ständig ab. Was stört die anderen, die nicht mehr die Sonntagsmesse besuchen, die nicht beichten und beten? Schnell fallen einem zahllose Schlagworte ein, die die Unzufriedenheit mit der Kirche ausdrücken.

Sehr viele Menschen können dem Gottesbild und dem Glaubensbekenntnis der katholischen Kirche nicht folgen. Sie empfinden einen tiefen Widerspruch zwischen der Vorstellung von einem allmächtigen guten, liebenden Gott, der in das Alltagsleben eingreift und den schrecklichen Naturkatastrophen, die Gott zulässt und den zahllosen Menschen, die Opfer von menschlicher Gewalt werden, ohne dass Gott sie vor dem Verderben rettet. An einen Teufel glauben sie erst recht nicht. Viele getaufte Katholiken glauben auch nicht an die Lehre von Jesus Christus als eingeborenem Sohn Gottes, bezweifeln die Umstände seiner Geburt, verstehen nicht den Sinn seines Todes am Kreuz und glauben nicht an die Auferstehung.

Die Kirche antwortet auf diese Grundfragen und Zweifel mit der Ausgrenzung kritischer Theologen. Ausgrenzung aus der Gemeinschaft ist Gewalt und das Gegenteil von Liebe.
Die hierarchischen Strukturen der Kirche verhindern meines Erachtens eine Öffnung im Dialog. Die Struktur der Kirche hat viel mit einer Diktatur zu tun und zeitigt dieselben negativen Konsequenzen: Angst und Duckmäusertum, Denunziation, Machtmissbrauch, Prunk und Pomp und Selbstgerechtigkeit.

Auf katholischer Seite kommt die verheerende Wirkung hinzu, die die kirchliche Sexualmoral bewirkt. Hervorzuheben sind:

Verbot von Kondomen und die Ausbreitung von Aids
Verbot der Pille und schwerste psychische Notlagen infolge ungewollter Schwangerschaften
Verdammung von Homosexualität und Belastung mit Schuldgefühlen
Verbot der Scheidung und Verhaftung in Leid und Unglück

Mich interessiert die Frage: Gibt es bei denjenigen, die mit Kirche nichts mehr am Hut haben, gibt es bei den „normalen“ Frauen, Männern und Kindern in Weiden ein Bedürfnis nach Spiritualität, Lebenssinn, Echtheit, ein Verlangen nach Solidarität und Nächstenliebe? Gibt es den Wunsch, frei von amtskirchlicher Bevormundung unverkrampft über Gott und Religion zu sprechen? Wie viele Menschen wollen jenseits der Heiligen Messe Gott suchen und dem Reich Gottes näher kommen – im Himmel wie auf Erden? Was könnte dies konkret bedeuten? Durch welches Engagement könnte Kirche Glaubwürdigkeit erlangen?

In diesem Zusammenhang könnte ein Konzil im Veedel und auf Laienebene neue Erkenntnisse und Hoffnung bringen. Voraussetzung ist nach meiner Auffassung, dass die katholischen Laien sich von der Fixierung auf die Priesterschaft emanzipieren, so wie dies im französischen Bistum Poitiers erfolgreich ausprobiert wird. Ich denke, es ist an der Zeit, dass die Laien das christliche Leben in unserem Stadtteil selbst in die Hand nehmen. Unsere Gremien sind der Pfarrgemeinderat und die Ortsausschüsse. Sie könnten sich in einem ersten Schritt an die frustrierten Katholiken und Protestanten wenden und zu Veranstaltungen einladen. Ich stelle mir vor, dass dort die traditionellen Gottesdienstbesucher sich erst einmal auf das Zuhören beschränken, um zu erfahren, was die Menschen in Glaubensdingen bewegt. In einer zweiten Phase könnte entdeckt werden, was Eigenverantwortung und eine andere Glaubens- und Gebetspraxis für eine christliche Gemeinde bedeuten kann.

In dem Buch „Glaubensverlust - Warum sich das Christentum neu erfinden muss“ (Sept. 2011) schreibt Hubertus Halbfas, die „Zurücknahme des eigenen Ich“ sei die Voraussetzung, um christlichen Symbolen und Bildern neue Leuchtkraft zu geben. „Ämter und Titel, Kleiderordnung und Repräsentanz, Darstellung von Autorität und Macht, Anspruch auf Kontrolle und Unterwerfung“ würden dann nicht mehr einem vertieften Glaubensverständnis im Wege stehen. Dann könne aus Glaubensleere auch wieder Glaubenslehre werden.

Christoph Schenk, Köln-Weiden, Schulstraße

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