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09.10.2012

Über Allerheiligen und Allerseelen

Eine kurze Einführung zum Gehalt unserer Feste Allerheiligen und Allerseelen


Sehnsucht, Neugierde und vielleicht auch ein wenig Abenteuerlust lässt die Menschen
gerne einmal hinter die Mauern unserer Zeit schauen. Da gibt es Kreise, die mit den
Verstorbenen in Kontakt treten wollen und es solange probieren, bis ein Stuhl ohne
äußere Einwirkung verrutscht oder ein Stift selbstständig eine Botschaft zu Papier
bringt.
Da gibt es auch Hinterbliebene, die von intensiven Gefühlen der Gegenwart eines lieben
Verstorbenen berichten. Die Berichte von Nahtoderfahrungen der Psychologin Elisabeth Kübler-Ross haben tausende Menschen gelesen. Führungen über Friedhöfe sind "in" und
sogar das Interesse an der Geschichte von Reliquien wächst.
Und das geschieht nicht nur in konservativen katholischen Kreisen, nein, es zieht Kreise
durch alle Bevölkerungsschichten. Ein Grund dafür könnte das Verlangen nach einer
weiteren Lebenswelt sein, also über Geldverdienen und Lebenserhalt hinaus. Entdeckerlust
und Forscherdrang geben dazu ihr Übriges.

So ist es nicht verwunderlich, dass gerade von einer Seite auch der Bereich um das Leben der Heiligen intensiv beleuchtet wird, von der wir es eigentlich nicht erwarten: der evangelische Schweizer Pfarrer Walther Nigg (+1988) hat evangelischen, wie katholischen Christen diesen
Bereich mit neuem Leben erfüllt. Er schreibt im Vorwort seines Buches "Große Heilige" (Diogenesverlag, 2006):
"Eine unbekannte Welt tut sich auf, wenn man den Heiligen begegnet. Neue Dimensionen setzen einen in maßloses Staunen. Der menschlichen Sprache fehlen die Worte, um deren Größe zu umschreiben. Das unmittelbare Verhältnis zum Göttlichen, die religiöse Tiefe ihrer Weisheit und das hintergründige Seelenverständnis der Heiligen findet in der Geistesgeschichte kaum eine Parallele. Um den Zugang zu ihnen zu finden, bedarf es der inneren Bereitschaft, eine neue Wirklichkeit zu erleben, die mit der eigenen nicht übereinstimmt und die aus diesem Grunde auch nicht nach der gewöhnlichen beurteilt werden darf."
Die Heiligen, ob dazu gesprochen und ernannt, oder durch die Verehrung der Menschen von ihnen selber "erhoben", sind durch ihr Leben zu Mittlern des göttlichen Heils in dieser Welt geworden. Wer sie erlebt hat, wer später von ihnen erfahren oder gelesen hat, wurde von ihrer Begeisterung erfasst und erfüllt. Viele seelische Wunden wurden durch sie geheilt, viele
körperliche Gebrechen ebenfalls und viel Trost, Mut und Hoffnung durch sie gespendet.
Die Menschen glaubten dem Glauben der Heiligen.
So wurden sie Gottes Heilsträgern, zu Heil-igen und zu Gottes Lichtbringern, also "Heiligenscheinträgern".
An sie gedenken wir am Festtag Allerheiligen. Es ist ein Freudentag, kein Trauertag !
Denn die Heiligen sind unsere Begleiter zu Gott; sie gingen den Weg ihres Herrn hier auf Erden. Und jetzt sind sie mit ihm zusammen. Wir sagen "im Himmel".
Da wir fest daran glauben, dass Christus hier mitten unter uns weilt (vor allem im Eucharistischen Brot), sind wir überzeugt, dass die Heiligen somit auch unter uns sind.
So sehen sie unser Mühen, spüren unsere Unruhe, leiden trotz der von ihnen gesehenen Herrlichkeit Gottes an unseren eigenen irdischen und zeitlichen Gegebenheiten. Sie werden nicht eher voller Glück den Himmel genießen können, bis sie auch uns auf diesem Weg zum wahren Licht erleben. Das wird solange dauern, bis der Herr sagt: "Nun will ich ein letztes Mal kommen." Am Jüngsten Tag.
Wir sind also eine riesige Gottesgemeinde bzw. Gottesfamilie, die sich über Zeit- und Orts-
grenzen umeinander sorgt und füreinander da ist und hilft. So vertrauen wir fest auf unsere Worte: "Heilige Elisabeth, bitte für uns." oder "Seliger Adolph Kolping, steh uns zur Seite".
Auch in unserer eigenen Familie gibt es viele, viele Heilige. Sie sind uns oft unbekannt, aber
auch sie stehen im himmlischen Jerusalem direkt neben Maria, den Aposteln, der heiligen Ursula, dem heiligen Severin, dem heiligen Jakobus. Für einige von uns ist aus Erinnerung an einen lieben Familienangehörigen gewiss: er ist bei Gott. Und so können wir mit Sicherheit so manchen unserer eigenen Ahnen bitten: "Pass auf Deine Familie auf. Wir brauchen Dich !"
In Erinnerung an sie stellen wir auf dem Friedhof die Kerzen auf. Sie erinnern an die Liebe
unserer Angehörigen und das österliche Licht, das durch sie in unser Leben leuchtet.
Im Jahr 863 wurde der 1. November von Papst Gregor IV. zum Gedenktag aller Heiligen bestimmt, besonders auch all der Heiligen, von denen nur Gott weiß.

Seit etlichen Jahren hat sich aus Amerika ein neuer Trend eingeschlichen: Halloween. Mit
furchterregenden Masken erinnert dieser Tag vor Allerheiligen an das Fegefeuer mit seinen leidenden Seelen, die an diesem Abend noch einmal in ihr altes Zuhaus zurückkehren. Der
Name Helloween setzt sich zusammen aus "All Hellows Even" - Allerheiligenabend. Vom Brauch her weist er aber nicht auf Allerheiligen hin, sondern auf den nächsten Tag: Allerseelen.

Allerseelen (diesen Tag feiern wir seit Mitte des 11.Jahrhunderts) denken wir an ALLE unsere Verstorbenen. Ist das Allerheiligenfest für uns ein klarer Zweig am Osterfest, so bereitet uns der Allerseelentag in unserer Zeit Schwierigkeiten, da er von für uns antiquierten Begriffen wie "Fegefeuer" und "Arme Seelen" durchsetzt ist.
Um was geht es bei diesen Begriffen, die unsere Phantasie teils fürchterlich belasten ? An Allerseelen denken wir besonders an die Verstorbenen, die sich in ihrer neuen Umgebung noch nicht trauen, die Augen auf Gott hin zu öffnen. Sie halten sie verschlossen, weil sie ihn durch irgendwelche Gegebenheiten aus ihrem Leben ausgeschlossen haben. Es ist vergleichbar mit dem Weg durch einen Tunnel: wenn man herauskommt ans Licht, dann tun erst einmal die Augen weh. Man muss sich an das Licht gewöhnen. Das heisst für den Verstorbenen auch, Gott um Verzeihung und Erbarmen zu bitten.
Wenn wir manchmal an einen bestimmten Menschen denken, fragen wir uns: "Ob DER wohl auch in den Himmel kommt?"
Die Gläubigen haben schon immer an diese sogenannten "Armen Seelen" gedacht. Und weil wir es eigentlich wirklich keinem wünschen können, in der kalten, dunklen Gottesferne zu leben, bitten auch wir die Heiligen uns zu helfen, bei Gott für sie einzutreten. Auch das ist Caritasarbeit an den Seelen unserer Mitmenschen; auch das gehört zur Nächstenliebe. Dadurch werden wir uns einmal wundern, wen wir alles im Himmel treffen werden. Ich hoffe nur, dass ich selber auch dabei sein darf !
Die Bitte "Herr, gib ihnen die ewige Ruhe" können wir mit dem Wort des heiligen Augustinus erhellen: "...unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir."
"Und das ewige Licht leuchte ihnen" : Jesus Christus, unser Licht und Leben.

Diakon Klaus Bartonitschek
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