Aktuelles
Willkommen
St. Jakobus
Gottesdienste
Kindergarten
Gruppen
Termine
Pfarrheim
Bücherei
Publikationen
AndersWohnen
Caritas
Links
Kontakt

23.11.2012

Zwölfter - zwölfter - zwölf

"Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn es hochkommt, so sind es achtzig...denn es fährt schnell dahin." (Ps 9010)
Heute sind es genau 70 Jahre her, dass ein Leben begann zu leben. Es begann eine Zeit zu teilen und einzuteilen, eine Zeit mitzuteilen, eine Zeit zu verschenken, eine Zeit zu erleiden, eine Zeit zu vergeuden, zu wenig Zeit zu haben für solche, die dringend auf ein Wort von mir warteten, und Zeit zu verpassen, Zeit zu genießen, Zeit zu lassen und Zeit zu bedauern, kurz: was wir "Leben" nennen, begann sich zeitlich zu entfalten. Manches verflüchtigt sich, manches bleibt für immer haften, manches wurde verdrängt, manches schön geredet oder verklärt, manches wurde noch nicht einmal wahrgenommen.
Geburtstage sind so etwas wie Haltepunkte oder Rastplätze auf der Fahrt durch das Leben. Sie markieren die Sprossen auf der Lebensleiter, halten fest die 'Taktstriche in der Lebensmelodie' (H. Lahm). Geburtstage erinnern an die Vergangenheit: Du hast einmal angefangen! Geburtstage bestimmen die Gegenwart: Wie, du bist schon 70?-Dann müsstest du schon längst in Rente sein! Geburtstage weisen in die Zukunft: Lange hast du nicht mehr! (oder bei religiöser Deutung: Bald hast du es geschafft!). Jedenfalls markieren Geburtstage einen Anfang, der für das weitere Leben prägend wird. "..und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben." (Hermann Hesse, Gedicht: Stufen)

Deswegen ist für uns der Anfang wichtig für alles Weitere und Folgende. Immer wollen wir zu unseren Ursprüngen zurück, weil wir den Anfängen entweder unheimlich viel zutrauen oder sie verdammen. "Wehret den Anfängen..."
Die Sache war von Anfang an falsch eingestielt, sagen wir, wenn uns etwas nicht glücken will.
Auch für unser jüdisch-christliches Menschenbild bedeutet der Anfang unheimlich viel. "Im Anfang war das nicht so...", sagt Jesus über die Ehescheidung. Ohne Anfang gibt es keine Geschichte. "Im Anfang" (nicht: am Anfang!) schuf Gott Himmel und Erde, also alles. "Im Anfang war das Wort..." (Joh 1,1). Dieses Wort wurde Fleisch/Mensch. Damit erhält unsere Zeit- und Anfangserfahrung eine ganz neue Dimension. Wir nennen nun unsere Jahre nach der Geburt Jesu und verbinden sie mit unseren Tagen und Jahren. Der 12.12.12 ist also keine Schnapszahl, sondern der Versuch, ein kontingentes Lebensjahr mit dem Jahr der Geburt Jesu so zu verbinden, dass dieses Jahr nicht nur nach christlicher Zeitrechnung gezählt wird, sondern "das Jahr des Herrn" wird mein Jahr, weil es getragen und begleitet ist von ihm. Zeit steht jetzt nicht nur zur Verfügung, Zeit wird zur geschenkten Zeit, wenn sie von Christus empfangen wird. "Er ist der Weg, auf dem wir gehn, die Wahrheit der wir trauen. Er will als Bruder bei uns stehn, bis wir im Glanz ihn schauen." (Lied: Lobpreiset all zu dieser Zeit, GL 158, 3.Str.)


Weil Gott als nicht an Zeit Gebundener sich so in Christus mit der Zeit verbindet, dass er nicht nur unser Zeitgenosse wird, nicht nur die Hinfälligkeit unserer Zeit erfahren musste, sondern auch die Zeit auskostet bis dahin, dass ihm die Zeit auf Golgotha endgültig genommen zu werden droht und seine Zeit zur Aus-Zeit wird, wenn er nicht erfahren hätte, dass das Aus sich in ein ewiges "Jetzt", bzw. ewiges "Da" verwandelte. Auferstehung nennen wir das, "...den Tag, den der Herr gemacht...".
Jetzt wird Gottes Ewigkeit für uns nicht mehr außerhalb unserer Zeit erfahren (wenn nicht hier, wann dann?), auch nicht jenseits oder über unserer Zeit, sondern in mitten unserer Zeit. Am 30. April 1944 schrieb D. Bonhoeffer an E. Bethge: "...Was mich unablässig bewegt, ist die Frage, was das Christentum oder auch wer Christus heute für uns eigentlich ist. Die Zeit, in der man das den Menschen
durch Worte - seien es theologische oder fromme Worte - sagen konnte, ist vorüber; ebenso die Zeit der Innerlichkeit und des Gewissens, und d.h. eben die Zeit der Religion überhaupt."

Gerade das macht die Schönheit unseres Glaubens, aber auch die Schwierigkeit unseres Glaubens aus, dass wir in Christus einen Gott gefunden haben, besser: dass Gott uns in Christus gefunden hat, für den keine unserer geweinten Tränen vergeblich geweint, kein kostenloses Lächeln umsonst verschenkt, kein ohnmächtiges Hinnehmen-Müssen für den Papierkorb war.

Das Joch, das wir von Christus übernehmen, ist zwar leicht, aber dennoch ein Joch. Im Mittragen seines Joches übernehmen wir seine "bewältigte Zeit", sein geglücktes Leben und eine himmlische Ruhe, die uns ganz bei ihm und bei uns sein lässt.

Deswegen sage ich allen Dank, die ihre Zeit mit mir geteilt haben, denen ich ein Stück Zeit schenken durfte (und damit auch ein Stück Christus) und allen, die heute Abend mit mir gemeinsam ihre Zeit teilen.

"Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen.
Mein sind die Jahre nicht, die etwa mögen kommen.
Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in Acht,
so ist der mein, der Zeit und Ewigkeit gemacht." (Andreas Gryphius)
Übersicht

Zurück zur Übersicht
des Newsletter-Archivs
[Zurück]

Weitere Artikel

Jahresrückblick 2012
(Artikel vom 23.11.2012)

GUTE NACHT - Projekt in Lövenich!
(Artikel vom 23.11.2012)

Neues vom Krippenbauteam der Heilig-Geist-Kirche
(Artikel vom 23.11.2012)

Krippen und Sternsinger im Pfarrverband
(Artikel vom 13.12.2012)

Weihnachtsmessen im Überblick
(Artikel vom 16.12.2012)

Ausblick
(Artikel vom 16.12.2012)

  © Kath. Kirchengemeinde St. Jakobus | Impressum | Datenschutz