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27.09.2013

Wer ist Papst Franziskus? Ein Kommentar zum Interview

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Er ist einer von uns!“ José, Vater unserer Austauschschülerin aus Buenos Aires freute sich über die Wahl von Jorge Bergoglio zum neuen Papst. Franziskus war als Bischof von Buenos Aires in den Straßen präsent. Er saß in der U-Bahn, man sah und grüßte ihn auf der Straße. In Argentinien beherrschte seine Wahl zwei Monate lang die öffentlichen Gespräche. Vor wenigen Wochen, am 19.September wurde weltweit ein Interview für die Jesuitenzeitung veröffentlicht. Ein erstes Programm des neuen Papstes, ein Einblick in sein Denken und Handeln.

Barmherzigkeit ist sein großes Leitmotiv, das in der Presse viel Beachtung gefunden hat. „Ich bin ein Sünder“, charakterisierte er sich selbst. Wer bin ich, dass ich andere verurteile? Eine Diskussion über die Bedeutung des Interviews für die Pfarreien stand im Zentrum einer gut besuchten öffentlichen Diskussion am 11.Oktober, veranstaltet von der katholischen Gemeinde Brühl. Trotz großer Zustimmung gibt es doch Bedenken. Ich staune, wie viele Menschen Schwierigkeiten mit dem Text haben. Scheidung, d.h. keine Kommunion. Barmherzigkeit – das bringt ja alles durcheinander, auch wenn es gut klingt. Weiß ich dann noch, was richtig ist?

Es ist jedoch nicht schwer, nach der Lektüre des Interviews einen persönlichen Zugang zu Papst Franziskus zu finden:
Der Blick, das „Ansehen“ ist ein zentraler Begriff für Bergoglio. Er charakterisiert sich als Sünder, der von Gott angesehen wurde, so wie der Hl. Matthäus, als Jesus ihn, den Sünder, anblickte und sagte: „Folge mir“. Seinen Blick auf etwas zu richten, in Blickkontakt treten und den andern verstehen: Hier entsteht zuerst eine Beziehung und dann ein Urteil, das sich selbst mitdenkt. Es kann gar kein anonymes, theoretisches, Gesetzesurteil gesprochen werden, denn zuerst ist die Beziehung. Ein Urteil kommt aus dieser Beziehung und fragt gleichzeitig: wer bin ich, dass ich urteilen darf?

So menschlich die Bilder im Fernsehen, so menschlich wirkt auch sein Interview. Christus ist Mensch geworden, er hat nicht das Gesetz geändert und das tut auch Franziskus nicht. Es ist wie im Tennis: Der Schlag kann perfekt sein, aber wenn die Position zum Ball nicht passt, ist er nicht optimal eingesetzt. Die Lehrmeinungen sind vielleicht perfekt. Warum sollten wir Ideale verändern wollen? Allein die Position dazu, die Haltung gibt den Ausschlag bei der Wirkung. - Wir sind nicht deckungsgleich mit dem Ideal und vieles liegt nicht in unserer Hand. Eine Deckung mit dem Ideal erzwingen zu wollen ist Ideologie und nicht Religion.

Sich selbst bei allem mitzudenken, sich bewusst sein, dass wir nur von unserer Position und aus unserer Zeit denken können und es kein objektives Urteil für einen Menschen geben kann – diese Ansicht durchdringt seine christlichen Positionen. Dies ist seine Position zu allen Geboten und Lehrmeinungen. Es gibt kein objektives Urteil, auch wissenschaftlich nicht. „Scheintod im Denken“ nennt Sloterdijk das angeblich objektive Denken. Wir sind nicht Gott – wussten wir das nicht selbst? Haben wir Franziskus gebraucht, um uns wieder darauf aufmerksam zu machen? Unterscheidung ist wichtig, sagt Franziskus.

Aus dieser Position entstehen seine Barmherzigkeit und die Demut des Amtes. Daraus ergibt sich seine Forderung nach Dezentralisierung. Sicher, das klingt eher nach Deleuze als Platon. Aber sein Netzwerkdenken wird niemals relativistisch, denn Gott hat ihn angeblickt. Die Sonne Gottes strahlt auf das Netzwerk, das nicht im Nichts angesiedelt ist.

Mein Lieblingssatz: „Man darf Grenzen nicht nach Hause tragen, sondern muss an der Grenze leben und mutig sein.“ Nicht Probleme theoretisch analysieren, sondern zu den Problemen gehen, sie ansehen. Hier lösen sich Milieus auf. Nicht, welches Milieu kommt zu uns, sondern wer hat Probleme, die ich mir ansehe. Hier werden Mauern eingerissen, hier gibt es kein innen und außen, hier gibt es nur das Du.

Die Widerstände gegen Bergoglio werden wohl eher aus der Kirche kommen, nicht von außerhalb – denn dort wird er für einen Glücksfall gehalten und bringt vielleicht viele wieder in die Kirche zurück, die frustriert ausgetreten sind, aber im Herzen katholisch geblieben sind.
Kurzfristige Veränderungen wird es nicht geben. Ein katholischer Wandel in die Moderne mag Generationen dauern. Bergoglio ist misstrauisch gegenüber schnellen Veränderungen, denn die wären niemals nachhaltig. Auch will er niemanden vor den Kopf stoßen, sondern Brücken bauen. Kein Absolutismus. Wir sehen in diesen Wochen, Rom macht sich auch in Deutschland in den Bistümern bemerkbar.

Der Reformwille von Franziskus ist spürbar im Interview. Hoffen wir, dass Bergoglio genügend Zeit geschenkt wird, Reformen in der katholischen Kirche auf den Weg zu bringen. Die Diskussion ist eröffnet.


Bettina Vogel-Walter

Das vollständige Interview finden Sie im Internet oder im Herder Verlag:

http://www.stimmen-der-zeit.de/zeitschrift/online_exklusiv/details_html?k_beitrag=3906412

Antonio Spadaro, Das Interview mit Papst Franziskus, Herder Verlag, 2013. 5€.

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